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Kasernengelände wird Industriepark
Coesfeld. Seit der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag ist es beschlossene Sache: Die Stadtentwicklungsgesellschaft unter ihrem Geschäftsführer, dem Stadtbaurat und Architekten Thomas Backes, wird im März 2010 die Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne kaufen. "Wir sind übereingekommen, dass wir als Stadt Coesfeld das Gelände viel effektiver vermarkten können als eine Behörde, die landesweit so viele aufgegebene Standorte umorganisieren muss", sind sich Backes und Bürgermeister Heinz Öhmann einig.
Über den Preis "über eine, aber deutlich unter zwei Millionen" wurde man sich mit der BImA (der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) einig. Rund 8,8 Millionen Euro sollen in den Industriepark fließen. Dabei setzen die Stadtoberen auf einen Zuschuss von 60 Prozent aus dem Fördertopf des Programms "Stadtumbau West" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Den Antrag dafür hat die Stadt bereits im August gestellt. Vergangenen Freitag gingen die vollständigen Unterlagen und die Ratsbeschlüsse per Bote zur Bezirksregierung, um den Förderantrag zu vervollständigen.
Zukunft hat mit Krampe schon begonnen
"Wir haben positive Signale aus Düsseldorf und Münster und gehen von einer Förderung aus", verdeutlicht Backes. Von dort sollen die so genannten "unrentierlichen Kosten" für den Abriss und die Aufbereitung bis zum Jahre 2014 mit rund 2,4 Millionen bezuschusst werden. Zusätzlich müssen auf der Haushaltssitzung Ende Februar rund 300 000 Euro pro Jahr für Straßen, Grünanlagen, Abbruch, Vermarktung und Personalkosten aus dem Etat der Stadt bereitgestellt werden. Die Geschichte, die sich mit dieser Entscheidung zur Erfolgsstory entwickeln könnte, begann mit einem Schock! Gerade mal zwei Jahre im Amt, sah sich Bürgermeister Öhmann 2005 mit der unerwarteten Schließung der Kaserne innerhalb der nächsten vier Jahre konfrontiert. Die letzten Soldaten verließen das Gelände Ende März 2009. Einzigartig in der Kasernenszene: Bereits seit dem Sommer 2008 nutzte die Firma Krampe rund 10 Hektar der insgesamt 65 Hektar großen Fläche und kaufte sie 2009. Der Hersteller hochwertiger Fahrzeuge und Anhänger für die Landwirtschaft und das Gewerbe, dessen Fläche in Lette längst zu klein geworden war, holte die bis dahin ausgelagerten Betriebsbereiche wieder zurück und baute in Flamschen zusätzlich eine Lackieranlage neuesten Zuschnitts.
Die Anbindung zur A 31, Auffahrt Gescher, in sechs Kilometern und zur A 43, Auffahrt Dülmen, in 15 Kilometern Entfernung ohne Ortsdurchfahrten sind ein starkes Argument für die Ansiedlung von Industriebetrieben in diesem Bereich. Auf ihrer Homepage spricht August Krampe von einer Umsatzsteigerung von 19 Prozent im 1. Halbjahr 2009 und der Verdoppelung der Mitarbeiterzahlen.
Starke Argumente - darauf setzt Öhmann
Darauf setzt auch Öhmann. Auf den verbleibenden 55 Hektar könnten weitere Arbeits- und Ausbildungsplätze durch die Ansiedlung von produzierenden Betrieben geschaffen werden. Die stärksten Argumente, deren Stichhaltigkeit die Ratsmitglieder durch ihre deutlich mehrheitliche Zustimmung honorierten, sind schnell genannt. Zum ersten gibt es im Münsterland im näheren Umkreis kein weiteres Gebiet, das Dreischicht- und Nachtproduktion erlaubt. Das nächste ist in Bocholt. Die zuvor als problematisch angesehene Entfernung zur Stadt Coesfeld macht die Umwandlung der Fläche in einen Industriepark erst möglich.
Zweitens besteht hier eine versiegelte Fläche mit zum Teil noch sehr gut nutzbaren Hallen und Einrichtungen. Sie ermöglicht die Erweiterung der Gewerbe- und Industrieflächen Coesfelds um rund 20 Prozent zusätzlich zu den bereits bestehenden, ohne dass landwirtschaftlichen Flächen angetastet werden müssen.
War es vor zehn Jahren noch durchaus im Interesse der Landwirte, Flächen abzugeben, schreckt man heute davor zurück, landwirtschaftliche Nutzflächen umzuwidmen, die Vollerwerbslandwirten ihr Auskommen sichern. Drittens zählt Coesfeld mit rund 14 Prozent sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zu den Arbeitsplatzzentren in der Region und soll diese Stellung halten und weiter ausbauen.
Schaffung von naturnahen Ausgleichsflächen
Ab sofort besteht Planungssicherheit für die 22 potentiellen Interessenten des Geländes und der Hallen im Planungsabschnitt 2, dem so genannten "Drohnen"-Bereich im Süden des Geländes. Nach den letzten Erschließungsmaßnahmen ist der Plan rechtskräftig und eine Nutzung bereits im Frühjahr möglich. Parallel dazu beginnen im Herbst 2010 der Abriss der alten Mannschaftsquartiere und die Maßnahmen zur Begrünung im Planungsbereich drei. Die untere Landschaftsbehörde und die Naturförderstation des Kreises Coesfeld sind bereits in die Planung dieser Ausgleichsfläche eingebunden, womit der Titel "Industrie- und Gewerbepark Flamschen" durchaus zu Recht besteht. In deren Mitte wird das erhaltenswerte Casino stehen. Die Bereiche vier und fünf der Sport- und Schießanlagen wurden aus den bisherigen Planungen zunächst ausgenommen.
Branchenmix wird bevorzugt erwünscht
"Wir bevorzugen einen Branchenmix, um Schwankungen in der Konjunktur besser abfedern zu können", beschreibt Öhmann die Wunschkandidaten für den Bereich zwei. Ansonsten sei man völlig offen, nur genügend Arbeitsplätze sollten dahinter stehen, wobei die Größe des Betriebes natürlich auch eine Rolle spielt. Chemie, Maschinenbau, Logistik sowie Betriebe der Ernährungswirtschaft, auch überregional, sollen im Münsterland laut einer PROGNOS-Studie die besten Entwicklungschancen haben.
Für die professionelle Vermarktung arbeitet die Stadt bereits mit dem Münsterland e.V. und der Wirtschaftsförderung des Kreises "wfc" an einer aktiven Vermarktungsstrategie für das Industriegebiet zusammen. Es bleibt spannend, welche bekannten und welche neuen Nachbarn Coesfeld demnächst bekommt! -bil-






