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Stadtanzeiger - Interview Fachhochschule

Coesfeld. Die Entscheidung gegen eine Dependance der Fachhochschule Münster in Coesfeld hat im Kreis für große Enttäuschung gesorgt.

Nachdem der erste Ärger über das Votum verraucht ist, äußert sich Coesfelds Bürgermeister Heinz Öhmann im Interview mit StadtAnzeiger- Redakteur Jens Ochsenfarth.

Stadtanzeiger: Herr Öhmann, wie tief sitzt der Frust über die Entscheidung aus Düsseldorf?

Öhmann: Das ist abgehakt. Ich gucke jetzt nach vorne und suche zusammen mit Landrat Konrad Püning, der Fachhochschule Münster und der Politik in Düsseldorf nach Möglichkeiten, wie wir den Bedarf vor Ort abdecken können. Da habe ich durchaus Hoffnung.

Stadtanzeiger: Welche Möglichkeiten für einen FH-Standort in Coesfeld gibt es denn noch?

Öhmann: Das Hochschulgesetz wird in den kommenden Monaten beraten. Eine Änderung mit der Einfügung Coesfelds als FH-Standort wäre denkbar aber nur schwer erreichbar. Klar ist, dass eine Änderung im aktuellen Gesetzgebungsverfahren nicht auf Kosten eines anderen Standortes geschehen kann, da ich die Unterstützung vieler Abgeordneter im Landtag benötige. Eine zweite Möglichkeit besteht im Hochschulpakt II (ab 2011 vorgesehen, d. Red.).

Stadtanzeiger: Der Jury-Vorsitzende Fritz Schaumann sprach davon, die Entscheidung wäre zwischen sehr guten und guten Bewerbungen gefallen. War Coesfelds Bewerbung ?nur" gut?

Öhmann: Die angesetzten Kriterien sind von uns vorbildlich erfüllt worden. Dazu gehören unter anderem der westfalenweite Konsens (das ist einmalig), die starke Unterstützung der Wirtschaft mit über 120 Angeboten zum Thema duale Ausbildung und die von der Wirtschaft zugesagten Stiftungsprofessuren in Höhe von über einer Million Euro. Zudem wäre Coesfeld ein äußerst kostengünstiger Standort gewesen.

Stadtanzeiger: Welche Faktoren haben dann zur Entscheidung geführt? Der berühmte Klüngel oder haben die hiesigen Vertreter im Landtag zu wenig Einfluss genommen?

Öhmann: Da will ich nicht spekulieren. Ich weiß aber, dass sich die hiesigen Vertreter im Landtag stark für dieses Ziel eingesetzt haben. Das gilt für alle Parteien.

Stadtanzeiger: Verlieren der Kreis und die heimische Wirtschaft ohne FH-Standort auf Dauer den Anschluss?

Öhmann: Wir sind eine dynamische Region, in der sich die Unternehmen stark entwickelt haben. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an Fachkräften mit Hochschulabschluss. Das Problem ist, dass wir in ganz NRW die höchste negative Bildungswanderung haben, also junge Leute mit Hochschulabschluss den Kreis verlassen. Das kann in Zukunft eine Wachstumsbremse sein. Deshalb werde ich weiter für den Standort Coesfeld kämpfen.

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