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Coesfelder Impulspaket

Wirtschaftswissenschaftliche Institute überbieten sich zurzeit in Bezug auf die ökonomische Entwicklung mit Prognosen negativer Art. Tatsächlich kann kein Mensch die Entwicklung unserer Wirtschaft vorhersagen.  Prof. Tietmeyer, der frühere Bundesbankpräsident aus dem Münsterland hat sicherlich recht mit der Behauptung, dass die aktuelle Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise eine "einmalige Konstellation weltweit" und kein Problem des Konjunkturzyklus darstellt.

Aus diesem Grunde ist es auch eine einmalige Konstellation, dass wir im Rathaus das Konjunkturpaket des Bundes, das uns rund 5 Mio. Euro zur Verfügung stellt, zu einem kommunalen Investitions-Paket mit insgesamt 11 Mio. Euro für die Jahre 2009 und 2010 verschmelzen. Damit geben wir der Wirtschaft in der Region einen Impuls, die Krise zu überwinden.

Geplant sind als Coesfelder Impulspaket

  1. 3,5 Mio. Euro für energetische Maßnahmen im Bildungsbereich
  2. 1,5 Mio. Euro für Infrastrukturmaßnahmen (hier: ULF-Sanierung u. Wirtschaftswegebau)
  3. 3 Mio. Euro für die Ganztagsoffensive in allen weiterführenden Schulen
  4. und bis 3 Mio. Euro für  Gebäudeunterhaltungsmaßnahmen.

Auf einer Veranstaltung der IHK-NordWestfalen in der vorletzten Woche äußerte Prof. Tietmeyer ergänzend die Meinung, dass Staatsdefizite nur erlaubt seien, wenn sofort gegengesteuert werde. Da die Stadt die 5 Mio. Euro Konjunktur-Mittel in der Höhe von 12,5% vom Land als Kredit bekommt, habe ich empfohlen, die Mittel ganz gezielt zur Kostensenkung speziell im Energiebereich einzusetzen.
Damit wirken wir im Sinne der Umwelt nachhaltig und im Sinne der nächsten Generation wirtschaftlich verantwortungsvoll. Es wäre schließlich kontraproduktiv, wenn wir jetzt konsumtiv wieder Schulden aufbauen würden nachdem wir in den vergangenen Jahren mit großen Anstrengungen rund 15% der städtischen Schulden abgebaut haben.


Um die Konjunkturimpulse möglichst schnell und für die Region wirksam werden zu lassen, habe ich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten für unser Verwaltungshandeln neue, wesentlich höhere Vergabegrenzen festgelegt.
Damit sind wir in der Lage in kurzer Frist, die Aufträge insbesondere in die mittelständische Wirtschaft der Region zu vergeben.


Der Abbau der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren ist genauso wie der angesprochene Abbau der Verschuldung eine gute Basis für die Bewältigung der einmaligen Krisenphase.


Im Jahr 2005 haben wir als Stadt Coesfeld zusammen mit dem Kreis Coesfeld als sogenannte Optionskommune die Betreuung der Langzeitarbeitslosen übernommen. Seitdem können wir eine erfolgreiche Vermittlungsbilanz vorweisen. In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Unternehmen konnten wir so viele Menschen in Arbeit und Brot bringen, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in den letzten rd. 4 Jahren um  ca. 25 % gesenkt werden konnte. Mit einer Quote von 2,0 Prozent Langzeitarbeitslosen und einer  Quote aller Arbeitslosen von 4,5 Prozent bilden wir weiterhin das positive Schlusslicht in NRW.


Für die Zukunft ist es daher wichtig, dass die Menschen und die Unternehmen in Coesfeld weiterhin gute Bedingungen vorfinden.
Dazu zähle ich:

  1. Coesfeld als familienfreundliche Stadt
  2. Coesfeld als Bildungsstandort und
  3. Coesfeld als Wirtschaftsstandort.


Coesfeld die familienfreundliche Stadt
Familienfreundlichkeit möchte ich zunächst festmachen an unserem Umgang mit unseren Kindern. Wie wir als Eltern, Verwandte, Nachbarn, Lehrer, Arbeitgeber oder einfach als Mitmenschen unsere Kinder und Jugendlichen fördern aber auch fordern, unseren Kindern Grenzen öffnen aber auch gleichzeitig Grenzen setzen zeigt unsere Kinderfreundlichkeit, zeigt unsere Familienfreundlichkeit.
Familienfreundlichkeit wird also vorrangig durch das menschliche Miteinander, durch das Verhältnis zu einander geprägt.


Familienfreundlichkeit wird ergänzend dadurch geprägt, wie wir unsere Institutionen ausstatten, wie unsere Angebote sind, um die Kinder und Jugendlichen fit für das Leben zu machen, um den Eltern in ihrer Kindererziehung zu unterstützen. Ich sehe die Stadt nicht als Vormund, ich sehe die Stadt als Unterstützer der Familien.


Deshalb haben wir in jüngster Zeit als Stadt in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen in Coesfeld neue Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf initiiert, in Auftrag gegeben bzw. selber anbieten können und damit erheblich ausgebaut:

  1. In 16 Kindertageseinrichtungen mit unterschiedlicher Trägerschaft halten wir 1140 Plätze für alle Kinder unter 6 Jahren vor.
  2. Das Angebot der offenen Ganztagsgrundschulen mit insgesamt 250 Plätzen wird gut nachgefragt und kontinuierlich verbessert.
  3. Das wohnortnahe Angebot von insgesamt gut 60 Kinderspiel- und Bolzplätzen lädt zum Toben und gemeinsamen Spielen ein.
  4. Ein Netzwerk der Unterstützung hilft den Familien durch verschiedenste Beratungs- und Hilfemöglichkeiten; von der Schwangerenberatung und dem Babykorb über die Frühförderung bis zur Erziehungs- und Familienberatung.
  5. Kindertagespflege, Tageselterncafé und die Qualifizierung von Tageseltern im Mehrgenerationenhaus Familienbildungsstätte sind wertvolle Ergänzungen.


Gerade im Bereich der frühen Hilfen für Eltern in der Schwangerschafts- und nachgeburtlichen Phase haben wir in jüngster Zeit ein Netzwerk der Unterstützungen entwickelt und eingerichtet.
Dazu zählt:

  1. Das Projekt "Guter Start" beim "Bunten Kreis Münsterland e.V.", das die Hilfesysteme Gesundheit und soziale Beratung vernetzt.
  2. Das Projekt "Wellcome" im Mehrgenerationenhaus, das alltagspraktische Unterstützung im Sinne einer ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe bietet.
  3. Das Elternbegleitbuch, das Ehrenamtliche den Eltern Neugeborener ins Haus bringen. Es bietet praktische Hilfestellungen an.

Coesfeld als Bildungsstandort
Unsere Stadt Coesfeld bietet aber nicht nur viele Institutionen für den frühkindlichen und Grundschulbereich, sondern auch im Bereich der weiterführenden Schulen. Wir bieten eine breite Palette der Schulformen von Haupt-, Real-, Gymnasial- und Förderschulen. Allein aus städtischen Mitteln setzen wir dafür rd. 8 Mio. Euro pro Jahr ein.


Dass dieses Angebot nicht nur bei den Eltern in unserer Stadt Anklang findet sondern auch bei Eltern aus den Nachbarkommunen, zeigt die Zahl der auswärtigen Kinder in unseren Schulen. Von den insgesamt 5.500 Schülern kommen 1.120 von auswärts.  Das stärkt Coesfeld als Bildungsstandort, zeigt aber auch die Qualität der Bildungsarbeit und die Zentralität unserer Stadt in der Region.


Mit dem Ausbau der Grundschulen für den Ganztagsbetrieb haben wir eine neue Basis zur Entwicklung unseres Schulsystems zur  Ganztagsschule gelegt.
Alle acht weiterführenden Schulen in Coesfeld wollen wir für den Nachmittags- und Ganztagsunterricht mit Mensen und Aufenthaltsräumen ausstatten. Die Theodor-Heuss-Realschule nimmt ab 2010 den gebundenen Ganztagsbetrieb auf. Um die räumlichen Voraussetzungen für diese Pläne zu schaffen, ist  das oben angesprochene Volumen von rd. 3 Mio. Euro bereitzustellen.


Der Standort Coesfeld ist ein hervorragender Bildungsstandort aber nicht nur für die schulische Bildung. Die Aus- und Weiterbildung ist hier hervorragend platziert. Dabei denke ich an die drei Berufskollegs, an die Handwerkerbildungsstätten, das Kolping-Bildungswerk, die Volkshochschule, die Familienbildungsstätte, das Kath. Bildungswerk und weitere private Bildungsinstitute. Die Musikschule und die Stadtbücherei bieten zusätzlich Kultur und Bildung pur.

Und: Coesfeld ist Hochschulstandort; bislang "nur" mit einem Studienzentrum der FernUni Hagen, das vom WBK aus rd. 350 Studierende betreut. 15 so genannte Mentoren in den Schwerpunktfächern Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften begleiten die Studierenden.
Hier am Studienzentrum Coesfeld ist die Ernstings-Stiftungsprofessur angesiedelt, die uns zusätzlich universitäre Veranstaltungen unter dem Motto ?Bürgeruniversität? anbietet.


In Zukunft wird Coesfeld neben Hagen, Bonn und Neuss in NRW, sowie Berlin, Hamburg, München und Stuttgart zum Regionalzentrum der FernUni aufgewertet. Ab 2011 sollen von hier aus rd. 2000 Studierende im Münsterland, in Ostwestfalen-Lippe und im südlichen Niedersachsen betreut werden. Dadurch erwarte ich eine Steigerung auch der Angebote für Studierende am Regionalzentrum hier in Coesfeld.


Ich freue mich, dass die Entscheidung der Hochschulgremien der FernUni auf Coesfeld gefallen ist und nicht auf die "Regional"-Hauptstadt Münster. Als Mitglied im Kommunalbeirat der FernUni durfte ich diesen Prozess begleiten.
Ich möchte an dieser Stelle dem Rektor der FernUni,  Herrn Prof. Hoyer, für seine Unterstützung danken. Er wird am Verfassungstag am 23. Mai in einem Vortrag im Rathaus der Coesfelder Öffentlichkeit weitere Informationen liefern.
Aber auch Frau Thesing, die Leiterin des Studienzentrums vor Ort, hat mit ihrer Arbeit erhebliche Unterstützung geleistet. Herzlichen Dank an Frau Thesing.

Zukünftig wird Coesfeld auch Studienort der Fachhochschule  Münster werden. So sind die konkreten Absichten der FH in Münster zurzeit auf die Gestaltung der Fächerangebote gerichtet. Unterstützend war bei der Entscheidung für Coesfeld sicherlich auch die Tatsache der Stiftungsprofessuren, die ich bei namhaften Coesfelder Unternehmen einwerben durfe. Herzlichen Dank an die Stifter-Unternehmen, die bereit sind über 5 Jahre jedes Jahr über 200.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Wir werden mit der Hochschulleitung Ende nächsten Monats die konkrete Ausgestaltung der Stiftungsprofessuren beraten. Ich gehe davon aus, dass frühestens zum Wintersemester 2010/11 der Lehrbetrieb aufgenommen werden kann.

Wichtig ist mir die Perspektive und wichtig ist, dass wir den sprichwörtlichen "Fuß in der Tür" zur Entwicklung der Stadt Coesfeld als Hochschulstandort haben.

Coesfeld als Wirtschaftsstandort
Auch und gerade in Coesfeld hat sich eine insgesamt gesunde, differenzierte mittelständische  Wirtschaftsstruktur entwickelt. Unsere Unternehmen haben in den vergangenen vier Jahren etwa 200 neue Arbeitsplätze geschaffen.
Wir werden verständlicherweise auch wegen der mittlerweile hohen Exportquote nicht von der Wirtschaftskrise verschont bleiben.

Ich bin aber recht optimistisch, dass das Tal in unserer Region nicht so tief sein wird wie in anderen Regionen Deutschlands oder Europas.
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, halte ich es für richtig und notwendig, die ehemalige Kaserne in Flamschen zu einem Gewerbe- und Industriepark auszugestalten. Ich bin froh, dass wir uns sofort nach Ankündigung der Kasernenschließung auf den Weg gemacht haben, um die Voraussetzungen für eine gewerbliche Nutzung zu schaffen.

Dass ein Coesfelder Unternehmen aus Lette gleich 10 ha mit aufstehenden Hallen vorzeitig nutzt ist nicht nur ein großer Glücksfall, zeigt auch wie flexibel wir mit allen Beteiligten das Thema angepackt haben. Andere Kasernenstandorte stehen seit Jahren leer.

Vor diesem Hintergrund bin ich fest davon überzeugt, dass unsere Stadt Coesfeld trotz aller Wirtschaftsprobleme nicht nur eine gute Basis sondern eine sehr hoffnungsvolle Perspektive hat.

Die entscheidenden Faktoren für eine gute Zukunft unserer geschichtsträchtigen Stadt sind
1.    unsere verantwortungsbewussten Familien,
2.    die hervorragenden Bildungsangebote
3.    und die dynamischen Unternehmen, die dem Zukunftsstandort Coesfeld die wirtschaftliche Basis geben.

Unsere Stadt - so erinnert uns der heutige Jahrestag der erstmaligen Erwähnung Coesfelds vor 1200 Jahren - hat nicht nur eine bewegte Geschichte. Unsere Stadt soll vor allem eine gute Zukunft haben.
Coesfeld hat das Potential für eine gute Zukunft, weil Coesfeld die richtigen Menschen hat, die anpacken können und die an unserer schönen Stadt mit  Herz und Verstand weiter bauen wollen. Dafür herzlichen Dank an Sie alle.

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