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Hat Coesfeld es schon geschafft?

Als deutsche Arbeiter am 1. Mai 1890 erstmals auf die Straße gingen, um - wie es damals hieß -  den "Kampftag der Arbeiterbewegung" zu begehen, wussten sie nicht, dass sie eine lang anhaltende Tradition einläuten würden.
Ohne die Courage der frühen Industriearbeiter wären Streikrecht, Acht-Stunden-Tag oder Kündigungsschutz heute nicht denkbar. In vielen Ländern rund um den Globus ist der 1. Mai aus gutem Grund als Tag der Arbeit ein Feiertag: Arbeit besitzt in unserer Welt eine zentrale Bedeutung.
In Zeiten von Finanzkrise und weltweiter Unsicherheit fragen wir uns heute: Was bedeutet das für die Arbeit als Menschenrecht? Was können wir vor Ort unternehmen, um möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern ein selbstbestimmtes Leben aus eigener Hände Kraft zu ermöglichen ?
Die Dattelner Morgenpost titelte am 18. März 2009 "Coesfeld hat´s geschafft." Coesfeld wird dort als prosperierende Stadt im Münsterland bezeichnet. Und dies wird auch im Vergleich zu Datteln begründet:
1.    Coesfeld ist genau so groß wie Datteln, habe aber 13.764 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ? wo Datteln nur 8.378 hat.
2.    Datteln kommt noch auf 1.832 Industrie-Arbeitsplätze. Das ländliche Coesfeld hat fast doppelt so viele: 3.542.
3.    Die Pro-Kopf-Verschuldung der Dattelner liege inzwischen bei 3.098 Euro.In Coesfeld sei sie fast auf den Euro genau halb so hoch: 1.572 Euro.

Sind damit meine Fragen von oben nicht mehr akut? Können wir unsere Aktivitäten, unsere Bemühungen verringern?  Die Antwort kann nur lauten: Ganz im Gegenteil. Die Finanz- und Wirtschaftskrise geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Auch wenn das Wohlstands- und Wirtschaftsranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft feststellt, dass der Kreis Coesfeld nach einer wissenschaftlichen Trendanalyse aufgrund der spezifischen Wirtschaftsstruktur vor Ort von den Folgen der aktuellen Konjunkturkrise nur  durchschnittlich betroffen sein wird.

Um die Folgen der Krise möglichst schnell zu überwinden und gleichzeitig für die Zukunft vorzubeugen ist aus meiner Sicht dreierlei notwendig:
1.    Coesfeld als Bildungsstandort und attraktiven Arbeits- und Wohnstandort zu stärken
2.    Die Menschen in unserem Zentrum für Arbeit aufzufangen und mitnehmen, also zu fördern und zu fordern
3.    Und nicht zuletzt: zügig und zukunftsorientiert unser 11 Mio. ? Impulspaket umzusetzen, um die Coesfelder Unternehmen und damit die Arbeitsplätze zu stärken.
Ich beginne mit dem letzten Punkt, dem Coesfelder Impulspaket. Es ist eine einmalige Konstellation, dass wir im Rathaus das Konjunkturpaket des Bundes, das uns rund 5 Mio. ? zur Verfügung stellt,  zu einem kommunalen Investitions-Paket mit insgesamt 11 Mio. ? für die Jahre 2009 und 2010 verschmelzen. Damit geben wir der Wirtschaft in der Region einen Impuls, die Krise zu überwinden.
Geplant sind als Coesfelder Impulspaket

  • energetische Maßnahmen im Bildungsbereich   für 3,5 Mio. ?
  • Infrastrukturmaßnahmen wie Stadtschloss-Sanierung und Wirtschaftswegebau für 1,5 Mio. ?
  • die Ganztagsoffensive in allen weiterführenden Schulen, sprich Mensen und Aufenthaltsräume für 3 Mio. ?
  • und Gebäudeunterhaltungsmaßnahmen für  bis 3 Mio. ?.

Wir müssen aber mit diesem Paket verantwortungsvoll umgehen. Warum das? Wieso sage ich gerade in diesem Zusammenhang ?verantwortungsvoll??
Nun, wir erhalten die 5 Mio. ? Konjunktur-Mittel in Höhe von 12,5% als Kredit vom Land Nordrhein-Westfalen. Deshalb habe ich empfohlen, die Mittel ganz gezielt zur Kostensenkung speziell im Energiebereich einzusetzen. Damit wirken wir im Sinne der Umwelt nachhaltig und im Sinne der nächsten Generation wirtschaftlich verantwortungsvoll.


Es wäre schließlich kontraproduktiv, wenn wir jetzt konsumtiv wieder Schulden aufbauen würden nachdem wir in den vergangenen Jahren mit großen Anstrengungen rund 15% der städtischen Schulden abgebaut haben.
Der Abbau der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren ist genauso wie der angesprochene Abbau der Verschuldung eine gute Basis für die Bewältigung der einmaligen Krisenphase.

In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Unternehmen konnten wir seit 2005 so viele Menschen in Arbeit und Brot bringen, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in unserer Stadt  in den letzten rd. 4 Jahren um  ca. 25% gesenkt werden konnte. Mit einer Quote von 2,0% Langzeitarbeitslosen und einer  Quote aller Arbeitslosen von 4,5 Prozent bilden wir weiterhin das positive Schlusslicht in NRW. Das wird auch vom wiss. Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft entsprechend gewürdigt.

Für die Zukunft ist es daher wichtig, dass die Menschen und die Unternehmen in Coesfeld weiterhin gute Bedingungen vorfinden.
Dazu zähle ich

  • Coesfeld als familienfreundliche Stadt,
  • Coesfeld als Bildungsstandort und
  • Coesfeld als Wirtschaftsstandort.

Lassen Sie mich pro Thema eine konkrete Maßnahme erläutern.
1.    Coesfeld stärkt weiter seine Familienfreundlichkeit
Eltern brauchen früh Unterstützung. Schon in der Schwangerschafts- und nachgeburtlichen Phase. Wir arbeiten hier eng mit erfahrenen Partnern aus unserer Stadt zusammen und haben ein Unterstützer-Netzwerk entwickelt und eingerichtet.
2.    Coesfeld baut seine Kompetenz als Bildungsstandort aus
Lassen Sie mich vorweg zwei Zahlen nennen:

  • Aus städtischen Mitteln setzen wir pro Jahr rd. 8 Mio. ? für die städtischen Haupt-, Realschulen und Gymnasien ein.
  • Von insgesamt 5.500 Schülern werden 1.120 von Eltern aus den Nachbarkommunen nach Coesfeld geschickt.

Das stärkt Coesfeld als Bildungsstandort, zeigt aber auch die Qualität der Bildungsarbeit und die Zentralität unserer Stadt in der Region.

Wir verbessern und differenzieren unser Angebot weiter. Alle acht weiterführenden Schulen in Coesfeld statten wir für den Nachmittags- und Ganztagsunterricht mit Mensen und Aufenthaltsräumen aus. Die Theodor-Heuss-Realschule nimmt ab 2010 den gebundenen Ganztagsbetrieb auf. Insgesamt investieren wir in Mensen und Aufenthaltsräume rund 3 Mio. ?.
3.    Coesfeld als Wirtschaftsstandort
Auch und gerade in Coesfeld hat sich eine insgesamt gesunde, differenzierte mittelständische Wirtschaftsstruktur entwickelt. Die Unternehmen in unserer Stadt haben in den vergangenen vier Jahren etwa 200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wichtig ist mir die Perspektive und wichtig ist, dass wir den sprichwörtlichen ?Fuß in der Tür? zur Entwicklung der Stadt Coesfeld als Hochschulstandort haben.

Dass Coesfeld zum Regionalzentrum der FernUniversität Hagen aufgewertet wirt und Coesfeld gleichzeitig Studienort der Fachhochschule  Münster werden wird, ist eine sehr gute Perspektive für die jungen Menschen hier in Coesfeld aber auch für die Unternehmen, die immer mehr qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Ich gehe davon aus, dass frühestens zum Wintersemester 2010/11 der Lehrbetrieb aufgenommen werden kann.

Mir ist bewusst, dass wir schon wegen der mittlerweile hohen Exportquote unserer Unternehmen von der Wirtschaftskrise nicht verschont bleiben werden. Ich bin aber recht optimistisch, dass das Tal in der Region Coesfeld nicht so tief sein wird wie in anderen Regionen Deutschlands oder Europas.
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, halte ich es für richtig und notwendig, die ehemalige Kaserne in Flamschen zu einem Gewerbe- und Industriepark auszugestalten. Ich bin froh, dass wir uns sofort nach Ankündigung der Kasernenschließung auf den Weg gemacht haben, um die Voraussetzungen für eine gewerbliche Nutzung zu schaffen.

Dass ein Coesfelder Unternehmen aus Lette gleich 10 ha mit aufstehenden Hallen vorzeitig nutzt, ist ein großer Glücksfall. Der Einzug von Krampe zeigt auch, wie flexibel wir mit allen Beteiligten das Thema angepackt haben. Andere Kasernenstandorte stehen seit Jahren leer.
Vor diesem Hintergrund bin ich fest davon überzeugt, dass unsere Stadt Coesfeld und damit wir alle als Coesfelder trotz der aktuellen Weltwirtschaftsprobleme nicht nur eine gute Basis, sondern eine sehr hoffnungsvolle Perspektive haben.

In meiner Ansprache zum Stadtempfang habe ich bereits gesagt und dass möchte ich wiederholen: Coesfeld hat das Potential für eine gute Zukunft, weil Coesfeld die richtigen Menschen hat. Menschen, die anpacken können und die an unserer schönen Stadt mit  Herz und Verstand weiter bauen wollen.
Das ist unser größtes Pfund, auch heute am Tag der Arbeit, am 1. Mai 2009.

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