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Ringparabel: ....geschwisterliche Religionen
Meine Damen und Herren,
ich habe Mitte August eine freundliche Einladung von Herrn Ramadani, Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat (einer islamischen Gemeinschaft) zu einem Grußwort hier unter dem Motto ?Zusammenleben der Religionen? erhalten. Als Bürgermeister fragt man sich dann, soll man als Vertreter einer Stadt das Grußwort übernehmen. Letztlich ist doch Religion eine Angelegenheit der persönlichen Entscheidung.
In unserem Land herrscht darüber hinaus nicht nur Religionsfreiheit; in Deutschland gilt die Trennung von Staat und Kirche. Wobei anlässlich des Papstbesuchs aktueller denn je in der Öffentlichkeit dieser Grundsatz diskutiert wurde. Denken Sie nur an die Aufregung um die Papstrede im Bundestag.
Die Auseinandersetzungen habe ich teilweise als beschämend empfunden. Das demonstrative Fernbleiben von Abgeordneten ist keine demokratische Geste. Es ist intolerant. Es ist für mich auch ein Zeichen von Respektlosigkeit gegenüber dem Oberhaupt der katholischen Kirche. Vermutlich auch ein Zeichen zunehmender Gottesferne.
Gestern hat Papst Benedikt der XVI. die Politik nachdrücklich gemahnt, sich ihrer christlichen Wurzeln zu besinnen.
Es sei eine "dramatische Situation", dass im öffentlichen Bewusstsein weithin die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gelte.
Mit meinen einfachen Worten: Der Mensch hat sich eine Gedankenwelt geschaffen, die nicht mehr auf Gott als dem Ursprung, als der Basis für unser Menschsein gründet. Durch dieses Denken seien, so der Papst, die klassischen christlichen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Europa werde zudem durch ein solches Denken gegenüber den anderen Kulturen der Welt in den "Status der Kulturlosigkeit" gerückt.
Dieser Beitrag hat mich nachhaltig beschäftigt. Denn auch ich bin der Meinung, dass wir uns mit Religion auseinandersetzen müssen. Mit anderen Glaubensrichtungen, mit anderen Religionen ebenso wie mit der eigenen.
Nur wer das Andere kennt, kennt seinen eigenen Glauben, sein Herkommen, seine Kultur.
Nach dem heutigen Zusammentreffen des Papstes mit Vertretern des Islam betonte der Münsteraner Professor für Islamische Religionspädagogik, Mouhanad Khorchide - der für die Muslime in Deutschland den Papst gesprochen hat -, dass die Begegnung mit dem Papst ein "wichtiges Zeichen für das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen dieser Welt" sei. Zugleich begrüßte er die Fortschritte bei der Etablierung der islamischen Theologie an deutschen Universitäten wie Münster, Osnabrück, Frankfurt, Erlangen und Tübingen. In dieser Tatsache wird auch die Aussage des Papstes verständlich, der "Muslime als ein Merkmal Deutschlands" bezeichnete. Auch vor diesem Hintergrund ist die heutige Veranstaltung ein Zeichen.
Nun wird häufig der Zusammenhang zwischen Terror oder Krieg und Religion hergestellt. Erst kürzlich habe ich im Deutschlandradio Wissen einen interessanten Beitrag über den vermeintlichen Zusammenhang von Krieg und Religion verfolgt.
Das Ergebnis war eindeutig: Das absolute Gros der Kriege wurde und wird aus handfesten wirtschaftlichen Gründen geführt. Es geht um Land, es geht um Bodenschätze, es geht um finanziellen Gewinn. Religiöse Gründen werden häufig vorgeschoben und vorgegaukelt. Sprich die Menschen werden damit aufgehetzt. Häufig gehen Interessenkonflikte, soziale Konflikte, ein schwacher Staat und unterschiedliche Glaubensrichtungen eine unheilvolle Wechselwirkung ein.
So ließe sich jede Glaubensrichtung mit Gewalt in Verbindung bringen, die islamische aber genauso die christliche Religion.
In der Diskussion über die Integration fordern wir immer wieder, dass Muslime konsequent Position beziehen sollen, Gewalt abzulehnen und sich dem Dialog zu öffnen. Genau das soll heute hier geschehen. Und zwar auf Anregung der liberalen muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde.
Dennoch bleibt die Frage der Trennung von Staat und Kirche. Weshalb bin ich also hier? Als Bürgermeister habe ich ein essentielles Interesse daran, dass wir als Gesellschaft, auch als Stadt-Gesellschaft friedlich zusammenleben. Hier kommt der Religion als Basis, als Werte-Kanon eine wichtige Rolle zu.
Auch nach Aussage des Papstes muss Politik ? und ich stehe hier auch als Vertreter der Kommunalpolitik - ?muss Politik Mühen um Gerechtigkeit sein, um so die Grundvoraussetzung für Friede zu schaffen.
Ich begrüße es sehr, dass Sie, Herr Idriz Ramadani, die Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum unterstreichen wollen. Wir verehren in der Tat denselben Gott. Im Islam wird Jesus als großer Prophet verehrt, die Dreifaltigkeit wird vom Islam jedoch nicht geteilt.
Dennoch findet sich das Alte Testament in großen Teilen im Koran wie in der Bibel.
Lassen Sie uns die Gemeinsamkeiten herausarbeiten statt nur auf die Differenzen zu schauen oder Spaltungen zu betreiben.
Das habe ich Ihrer Einladung entnommen und das hat mich sehr angesprochen. Ja, vielleicht sogar begeistert. Das werde ich endgültig am Ende der Veranstaltung feststellen können.
Ich danke Pfarrer Johannes Hammans, dass er diese Veranstaltung räumlich möglich macht und sich als katholischer Pfarrer der besonderen Thematik stellt. Zusammen mit Frau Renate Langenheda, als Vertreterin der ev. Christen, kann hier ein geschwisterlicher Diskussionsprozess beginnen.
Vielleicht wird heute in dieser Veranstaltung - wie in der Ringparabel "Nathan der Weise" von Ephraim Lessing zur Gleichberechtigung der drei monotheistischen Religionen ? die Verwandtschaft des Christentums und des Islams deutlich. Beide gründen darüber hinaus im Judentum.
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