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"Tut jeder in seinem Kreis das Beste...."

12 Jahre nachdem Adolph Kolping in Köln den ersten katholischen Gesellenverein ins Leben gerufen hatte, gründete sich im Jahre 1861 die Kolpingsfamilie Coesfeld-Zentral. In einer Zeit, die von Elend und Armut der Handwerksgesellen und Arbeiter geprägt war, fasste damit eine Bewegung Fuß, die bis heute für sozialen Frieden, für Bildung, Familie und für gelebte christliche Grundwerte in unserer Stadt eintritt.
Zwar haben sich die Lebensumstände in den vergangenen 150 Jahren erheblich verändert, aber Adolph Kolpings Ideale von einer menschlichen Gesellschaft, von mutiger, tatkräftiger sozialer Verantwortung auf der Basis des christlichen Glauben besitzen nach wie vor Gültigkeit und Aktualität.

Unsere Gesellschaft ist stärker als noch vor 150 Jahren einem ständigen Wandel unterworfen. Wandel ist grundsätzlich positiv. Der Wandel hat aber wie alles im Leben auch seine Schattenseiten. Ich denke an die zahlreichen neuen "familiären Arrangements", die neben die traditionelle Kleinfamilie treten; ich denke aber auch an die enormen globalen Wertschöpfungsketten, die die materielle Lage breiter Schichten verbessern,  aber den Produktionsprozess undurchschaubarer machen und es erschweren, festzulegen, wer für was verantwortlich ist.
Ich denke an diejenigen, die nicht mehr mitkommen, weil sie z.B. keine Qualifizierung erreicht haben, an diejenigen, die wir bewusst oder unbewusst ausschließen, die keinen Zugang zu den Möglichkeiten und Ressourcen unserer Wissens- und Kommunikationsgesellschaft haben.

Gerade in dieser immer komplizierter werdenden Welt brauchen Menschen Gemeinschaft. Und sie brauchen Handlungsimpulse für ihr alltägliches Leben.

Denken wir an sinnlose Gewaltakte, an verwahrloste Kleinkinder, an Alkoholsucht, dann zeigt sich: Die Menschen brauchen Hilfe und Anerkennung.

Diese Arbeit leisten Sie, indem Sie Gemeinschaft mit sinnvollen Angeboten bieten.
Beispielhaft will ich die Spielschar, den Familienkreis und die Vortragsveranstaltungen sowie Besichtigungsfahrten nennen.
Ob bei der Altkleider- und Altpapiersammlung, im Karneval, bei der Müllsammelaktion oder dem Kolping-Gedenktag im Dezember immer man spürt man, dass Sie die ?FAMILIE? im Sinne einer christlichen Gemeinschaft im Herzen tragen und leben.
Verantwortlich leben, solidarisch handeln war immer die Maxime des Gesellenvereins, der sich heute als demokratisch verfasster katholischer Sozialverband  präsentiert.
Ob als Gesellenverein oder als Sozialverband: Mit Begeisterung tatkräftig. Mit Begeisterung eine Gemeinschaft. Mit Begeisterung im Glauben verankert.
 Es ist das Verdienst des Kolpingwerks und damit auch der Kolpingsfamilie Coesfeld-Zentral, das Programm der Gemeinschaft im Sinne Kolpings in dieser langen Zeit fortentwickelt und sich immer neuen gesellschaftlichen Herausforderungen angenommen zu haben.

Ich möchte allen, die sich unter dem Dach der Kolpingfamilie Coesfeld-Zentral engagieren, im Namen der Stadt Coesfeld und persönlich herzlich danken.
Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie die Kolpinger, um menschlich und überlebensfähig zu bleiben. Wie sehr es dabei auf jeden einzelnen in unserer Gesellschaft ankommt, wusste schon Adolph Kolping, als er feststellte: "Tut jeder in seinem  Kreis das Beste, wird`s bald in der Welt auch besser aussehen."
 
Die 150-Jahr-Feier soll gerade deshalb nicht nur den Blick auf das Vergangene und das Heute, sondern auch auf das Kommende lenken.
Die "Idee Kolping" wird aktuell bleiben. Mehr denn je werden wieder bewährte und junge Menschen gebraucht, die sich mit dieser Idee identifizieren, sich zu Kirche, Glaube und christlichen Werten bekennen, mutig und bereit sind, sich in der Gemeinschaft für die Gemeinschaft, sich in der Gesellschaft für die  Gesellschaft einzubringen.

Sicherlich steht auch die Kolpingfamilie bei den derzeitigen gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen vor einer Umbruchphase. Dabei hat die Kolpingfamilie die Chance, sich als Biotop des Glaubens zu etablieren und Ansprechpartner zu sein.

Ich wünsche mir, dass Sie, liebe Kolpinger, mit ihrem Zusammenhalt und Engagement noch viele Coesfelderinnen und Coesfelder anstecken. Ich wünsche Ihnen, dass Sie weiter wie bisher die ?FAMILIE? im Herzen tragen, also gemeinsam wie eine große Familie zu leben, zu wirken und für andere da zu sein.

Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem stolzen 150-jährigen Jubiläum im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt Coesfeld wie persönlich sehr herzlich und wünsche Ihrem Festwochenende einen glücklichen Verlauf.


(Die Rede wurde zum Teil verändert und ergänzt gehalten.)

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