Sie befinden sich hier: Reden / 

Zugewandte Ausgeglichenheit und Menschlichkeit

 
"Von der ersten Stunde des Tages ihrer Ankunft in der Bundesrepublik Deutschland in  Hannover (1990) begann ihre "Übersetzer-Hilfe": Sie half einer alten Frau beim Ausfüllen der Formulare. Von da an wurde sie immer wieder als Übersetzerin um Hilfe gebeten. Von da an war sie immer da, wenn Sie gebraucht wurde?."
So, liebe Frau Tropmann, lautete ein Auszug aus der Laudatio zur Verleihung des Ehrenamtspreises auf dem Stadtempfang vor drei Jahren, im März 2008.
Heute, am 3. August 2011, dankt Ihnen dieses Land, die Bundesrepublik Deutschland, das Sie in den vergangenen 21 Jahren so reich beschenkt haben, mit der besonderen Auszeichnung der Bundesverdienstmedaille. Sie wurde vor 60 Jahren von Theodor Heuss gestiftet. Die Auszeichnung soll ganz besonders herausragende Verdienste einzelner Bürgerinnen und Bürger um unser Land würdigen.
Heute ehren wir Sie für Ihr großartiges ehrenamtliches Engagement. Heute stehen Sie im Mittelpunkt, sehr verehrte Frau Tropmann.
Als Bürgermeister wie persönlich freue ich mich sehr über Ihre Auszeichnung mit der Bundesverdienstmedaille.
Sie zeigt, wie aktiv unsere Bevölkerung in der Stadt Coesfeld ist; ja, dass wir in einem guten Miteinander leben.
Herr Landrat Püning hat bereits ausführlich Ihre vielfältigen Aktivitäten und Verdienste beschrieben. Unter anderem gestalten Sie die Korrespondenz für 16 Tschernobyl-Initiativen in Nordrhein-Westfalen sowie den gesamten Schriftverkehr im Austausch mit Semibratowo. Herr Püning hat auch bereits Ihr sonniges Wesen, Ihre ansteckende Lebensfreude erwähnt.
Ich will mich darauf konzentrieren, wie Sie Ihr Engagement ausfüllen und gestalten.
Bisweilen wirft das ein eindeutiges, nachvollziehbares Licht auf einen Menschen.
Ihre Freunde und Weggefährten wissen natürlich, wie Sie hierher in die Sirksfelder Schule kommen.
Ja, Sie legen den Weg von der Stadtmitte, in der Ihre Wohnung in der Ritterstraße  liegt, bis zur Sirksfelder Schule oft mit dem Rollstuhl zurück.
Und wenn die Kinder aus dem nach wie vor verstrahlten Weissrussland sich in unserer münsterländischen Heimat erholen, dann sind Sie bis zu 12 Stunden täglich hier, damit die Kinder verstanden werden und verstehen. Das Verstehen über die Sprache ist das entscheidende Element, um ein Verstehen, ein Näherkommen zwischen verschiedenen Kulturen zu erreichen.
Für Sie bedeutet das dann praktisch Ausnahmezustand. Dennoch sind Sie immer geduldig, hören jedem aufrichtig und offen zu und sind Ihrem Gegenüber menschlich zugeneigt.
Das ist eine unglaubliche Leistung, meine Damen und Herren.
An der Wand Ihres Zimmers in der Ritterstraße dominiert eine sehr beeindruckende große Fotomontage ? so ist mir berichtet worden. Sie zeigt die strahlenden Gesichter von etwa 60 jungen Menschen und einigen Mitarbeitern der Tschernobylhilfe Coesfeld ? und Ihr Gesicht ist mittendrin.

Diese Montage war ein Dankeschön-Geschenk zu Ihrem Geburtstag. Sie beweist, was längst wissenschaftlich belegt ist: Wer sich freiwillig für andere einsetzt, dessen Leben erfährt Zuwachs an Sinn, dessen Leben gewinnt Zuwachs an Freude.
Ja, meine Damen und Herren, ehrenamtliche Tätigkeit wirkt nachweislich gesundheitsfördernd und lebensverlängernd.
Soziales Engagement kann die individuelle Lebenserwartung um bis zu 21 Prozent steigern. Deshalb hat Mutter Theresa auch Recht, wenn sie sagt: "Je mehr Du gibst, desto mehr empfängst Du. Und wer mit Freuden gibt, gibt am meisten."
Das trifft Sie ziemlich gut, will ich meinen, liebe Frau Tropmann.
Sie sind ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit und Miteinander. Sie sind ein Vorbild, das zum Nachahmen einlädt und zum Mitmachen ermuntern soll.
Weil wir eine Anerkennungskultur für die ehrenamtlich Tätigen wie Frau Tropmann brauchen, habe ich den Ehrenamtspreis der Stadt Coesfeld ausgelobt. Seit 2006 wird er verliehen.
Die heutige Auszeichnung mit der Bundesverdienstmedaille beweist, dass die Kriterien praxisnah und zeitgerecht sind, kurzgesagt: Dass wir "die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten" nominieren.
Dennoch steht schon heute fest: Wir werden künftig noch mehr bürgerschaftliches Engagement für das Gemeinwesen brauchen; in der Nachbarschaft, im Verein, in Wirtschaft, Bildung, in Kulturangelegenheiten, im sozialen Bereich und natürlich auch in der Politik.
Denn die Möglichkeiten des Staates sind begrenzt. Mitmenschlichkeit kann auch nicht staatlich verordnet werden; kann nur von Mensch zu Mensch bezeugt werden.
Sie wirken mitmenschlich, liebe Frau Tropmann, indem Sie Menschen, die aus der früheren Sowjetunion zu uns kommen,  beraten, sie bei Behördenbesuchen begleiten und ihnen die Integration in unsere bundesdeutsche Gesellschaft erleichtern. Dafür will ich Ihnen heute besonders herzlich danken.
Ihre Talente und sprachlichen Fähigkeiten, Ihre zugewandte Ausgeglichenheit und Menschlichkeit hat sich schon 1.000fach positiv ausgewirkt. Sie sind durch Ihr Handeln für Kinder aus Weißrussland und die Neubürger aus der früheren Sowjetunion zum Vorbild geworden.
Die Dankbarkeit und Anerkennung unseres Staates wird heute durch eine besondere Ehrung sichtbar. Der Bundespräsident Christian Wulff hat Ihnen in Würdigung Ihrer vorbildlichen Leistungen die Bundesverdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Auch im Namen der Stadt Coesfeld sage ich Ihnen vielen Dank.
Herzliche Gratulation zu dieser hohen Auszeichnung ? im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt Coesfeld und auch ganz persönlich.Genießen Sie die Stunden mit Ihren Lieben und engen Weggefährten hier im Team der Sirksfelder Schule.  

<- Zurück zu: Reden

Aktuelles